Die Arbeit von Thomas Hoepker, dem renommierten Reportagephotograph und Vollmitglied der legendären Agentur Magnum, hat sich durch digitales Imaging in den letzten Jahren massiv verändert.
Der in New York arbeitende Profi schildert in einem Interview seine Erfahrungen mit dem Digital-Imaging-Workflow: vom ersten Kontakt mit der digitalen Photographie bis zum Druck von hochwertigen Collector’s Prints mit innovativen Druckverfahren.
photokina: Herr Hoepker, wann sind Sie in Ihrer Tätigkeit als Photograph zum ersten Mal in Kontakt mit Techniken des digitalen Imaging gekommen?
Thomas Hoepker: In den Jahren 1996-97 begann ich meine analogen Fotos zu digitalisieren und zu archivieren. 2002 kaufte ich mir meine erste digitale Kamera – erst von diesem Zeitpunkt an schien mir die Auflösung hoch genug für meiner Arbeit.
photokina: Hat dieser erste Kontakt mit dem digitalen Imaging zu Veränderungen in Ihrer Arbeit geführt?
Thomas Hoepker: Natürlich: zunächst hat sich die Archivierung meiner Arbeiten total geändert. Parallel zur konventionellen Aufbewahrung meiner Bilder auf S/W-Film, Dias und der Vintage Prints, begann ich meine digitalen Daten zu speichern und am Computer zu optimieren und zu verwalten. Gleichzeitig begann ich, Fotos digital auszudrucken, zunächst vor allem für Layout-Zwecke, dann allmählich auch für Sammler-Prints und für Ausstellungen.
photokina: Welche Arbeitsprozesse haben sich in Ihrer Arbeit durch die Möglichkeiten der Bildbearbeitung und des digitalen Photodrucks verändert?
Thomas Hoepker: Mein ganzer Workflow hat sich verändert. Ich habe mehr Kontrolle über meine Arbeit, von der Aufnahme über die Optimierung und Verwaltung der Daten (Apple Aperture) bis hin zum Ausdruck meiner Prints (HP Z3100 Drucker) für Ausstellungen und Sammler. Ich bin nicht mehr von externen Labors abhängig, sonder kann den ganzen Prozess von der Aufnahme bis zum fertigen Druck selbst steuern. Allerdings bedeutet das auch mehr Arbeit für mich, besonders in der Bildbearbeitung.
photokina: Die photokina umfasst die Foto-Themenbereiche “Aufnahme”, “Bearbeitung”, “Speicherung” und “Ausgabe”. Welche Bereiche interessieren nach Ihrer Meinung Profis und Sie selbst am meisten?
Thomas Hoepker: Die gesamte Kette ist wichtig, jeder Schritt muss beherrscht werden, also sind Entwicklungen in jedem Bereich wichtig und interessant.
photokina: Digitales Imaging bietet heute eine Reihe von Schlüsselprodukten für die Bearbeitung und Ausgabe von Photos. Auf welches dieser Schlüsselprodukte könnten Sie in Ihrer Arbeit als Profi am wenigsten verzichten?
Thomas Hoepker: “Ausgabe” bedeutet für mich einerseits die Archivierung und der Versand von Bilddaten, andererseits der Druck von hochwertigen Collector’s Prints. In diesem Bereich sind die Ansprüche an die Qualität besonders hoch. Wenn Sammler hohe Preise für Drucke zahlen, erwarten sie die höchste Qualität, sowohl im Druck als auch in der Wahl hochwertiger Papiere. Der Druck steht das Ende der Kette der digitalen Verfahren, hier zeigt sich, ob sich die lange Vorarbeit gelohnt hat. Umgekehrt wäre die lange Vorarbeit ohne einen hochwertigen Drucker umsonst gewesen.
photokina: Vielen Dank für dieses Interview und weiterhin viel’ Erfolg mit Ihrer Arbeit.
Die Arbeiten von Thomas Hoepker sind im Rahmen der Visual Gallery auf der photokina Gegenstand einer umfangreichen Ausstellung mit dem Titel “Thomas Hoepker, Retrospektive 1955 – 2008″.